Originaltext der Eltern
Nachdem meine erste (Zwillings-) Schwangerschaft recht engmaschig durch meine Frauenärztin kontrolliert wurde, war für mich klar, dass ich das in meiner zweiten Schwangerschaft anders haben wollte. So schrieb ich Saskia direkt am zweiten Tag mit positivem Schwangerschaftstest in der Hand, am 21.08.25. Da ich mir eine Hausgeburt wünschte und mich dahingehend schon im Voraus informiert hatte, wollte ich mich gerne von ihr begleiten lassen. Noch am selben Tag rief Saskia mich an und nach einem sehr netten und offenen Gespräch fühlte ich mich direkt gut aufgehoben bei ihr. Sie sagte mir gleich, dass sie für ein paar Wochen für ein Projekt in Indien sein würde, was mich nicht beunruhigte, da ich ja ganz am Anfang meiner Schwangerschaft stand und bei Bedarf ihre Kolleginnen aushelfen würden.
Wir machten einen persönlichen Kennenlerntermin mit den ersten (Blut-)Untersuchungen aus, welcher dann in der 8. SSW auch statt fand. Zusammen legten wir meinen Mutterpass an und mein gutes Bauchgefühl bestätigte sich nochmals: Bei Saskia fühlte ich mich wohl. Wir gingen das erste Trimester terminlich im Groben zusammen durch, ich wollte gerne für das erste und zweite Basisultraschall zu meiner Frauenärztin, die weiteren Kontrolltermine würde ich bei Saskia wahrnehmen, so der Plan.
Der Termin für das erste Basisultraschall sollte am 7.10. stattfinden.
Die ersten paar Wochen meiner Schwangerschaft hörte ich sehr genau in mich hinein und achtete auf all die Anzeichen, die ich von der ersten Schwangerschaft noch kannte. Eine leichte bis mäßig starke Übelkeit war vorhanden, das viele Träumen in der Nacht auch. Ebenso wie in der ersten Schwangerschaft, ziepten meine Mutterbänder. Je näher ich dem Termin kam, desto unruhiger wurde ich. Zwar war es ein subtiles Gefühl, aber jetzt rückblickend lässt es sich ganz gut zurordnen. Mir fehlte das „drückende Unterbäuchlein“. Das Gefühl der langsam wachsenden Gebärmutter, die weit unten im Becken drückt, wenn ich mich z.B. nach vorn beugte. Ich dachte mir immer wieder: „Ist doch normal, dass es in einer Einlingsschwangerschaft nicht so schnell geht, wie damals bei den Zwillingen“.
Es rückte also der Frauenarzttermin näher. In der 11. SSW war es dann soweit. Mein Mann hatte sich den Vormittag des 7.10. extra frei genommen, die Jungs waren im Kindergarten. Wir witzelten mit meiner Frauenärztin „wie viele wir wohl diesmal zählen würden“. Rückblickend kann ich sagen, dass ich schon die ganzen vorherigen Wochen irgendwie ein komisches Gefühl hatte.
Und trotzdem ließen mich die 4 Sekunden „zu langes“ Schallen und das schwindendende Lächeln meiner Frauenärztin den Atem anhalten und die Worte von ihr trafen mich wie ein Schlag in die Magengrube: „Ich sehe keinen Herzschlag“. Mir schossen die Tränen in die Augen. Sie schallte weiter, aber es blieb dabei. Das kleine Herzchen hatte schon vor gut drei Wochen aufgehört zu schlagen, bei einem Stand von 7+3 Wochen. Wie betäubt hörte ich den Worten meiner Frauenärztin zu, welche mir ihr Beileid aussprach und sagte, dass ich erstmal heim gehen dürfe, man nicht sofort etwas tun müsse. Wir vereinbarten einen erneuten Termin für den 14.10., also 7 Tage später. Tatsächlich war ich einige Wochen zuvor über einen Geburtsbericht einer Hebamme gestolpert. Es war ein Bericht über eine stille Geburt und die Hebamme schenkte dem Thema, nicht nur emotional sondern auch sachlich ein paar Tage Aufmerksamkeit und informierte darüber. Somit kannte ich tatsächlich schon die zunächst möglichen Schritte
(1. Abwarten/natürliche Geburt, 2. medikamentöse „Einleitung“, 3. OP/Ausschabung) und wäre auch auf einen Überweisungsschein ins Krankenhaus für eine direkte Ausschabung vorbereitet gewesen. Trotzdem war ich unendlich froh, dass ich ohne Diskussion oder Erklärungen einfach heim fahren konnte. Zuhause angekommen, der Tag war schon relativ kühl, entdeckte ich einen Schmetterling in unserem Wohnzimmer. Ein Tagpfauenauge.
Noch nie hatte sich ein Schmetterling in unser Haus verirrt. Ganz vorsichtig fing ich ihn ein und ließ in draußen fliegen. Dabei liefen mir die Tränen übers Gesicht „flieg davon kleine Seele“, dachte ich. Ich schrieb kurze Zeit später Saskia und erzählte ihr von dem Geschehenen. Obwohl sie zu dieser Zeit schon in Indien war, rief sie mich kurze Zeit später an. Sie nahm sich so viel Zeit, drückte mir ihr Mitgefühl aus und bestärkte mich so liebevoll in meinem Wunsch einfach abzuwarten und der Natur weiterhin ihren Lauf zu lassen. „Egal“ wie lange es dauern würde, bis mein Körper bereit war das kleine Sternchen gehen zu lassen. An dieser Stelle danke ich dir von ganzem Herzen für deine liebevolle und einfühlsame Begleitung liebe Saskia!
Was ich wirklich auch unendlich beruhigend fand, waren die klaren Fakten, wie eine solchen „kleine Geburt“ ablaufen würde oder könnte. Den Umständen entsprechend gestärkt und zuversichtlich beendete ich also das Telefonat mit Saskia und stellte mich auf ein, zwei vielleicht auch drei Wochen Wartezeit ein. Nur drei Tage später, am 10.10., wurde ich von Blutungen überrascht. Zunächst nur Schmierblutungen, die aber zügig sehr stark wurden, von vielen kleineren und größeren Gewebestückchen durchzogen. Am 11.10. hatte ich tagsüber schon starke periodenähnliche Unterleibsschmerzen. Gemeinsam mit meinen beiden Jungs und unserem Hund ging ich eine kleine Runde an die frische Luft. Plötzlich entdeckten wir mitten auf dem Weg ein Tagpfauenauge. Ich traute meinen Augen nicht und ein paar Minuten saßen wir um den Schmetterling herum, der die letzten Sonnenstrahlen einfing und irgendwann davon flog. Abends bekam ich so starke periodenähnliche Unterleibsschmerzen, dass ich fast nicht mehr stehen konnte. Dazu merkte ich wie meine Hormone anfingen verrückt zu spielen, ich war unendlich gereizt und gleichzeitig traurig. Erschöpft ging ich ins Bett. Nach einer ruhigen Nacht ging es mir am nächsten Vormittag recht gut. Die Schmerzen waren vergleichbar mit (für meine Verhältnisse) leichten Periodenschmerzen. Richtung Mittag spürte ich dann, dass etwas anders war. Ich hockte mich in die Duschwanne, da ich merkte, dass diesmal nicht nur Blut
kommen würde, sondern größeres und festeres Gewebe. Ich konnte die gesamte Fruchtanlage, welche die Größe eines Überraschungseis hatte, nur dünner/länglicher, auffangen. Den Embryo konnte ich nicht erkennen. Ich hatte nochmal Kontakt zu Saskia, die mir bestätigte, dass in dieser frühen SSW die Unterscheidung oftmals schwer fällt, da noch alles „wie eins“ aussieht. Ich bettete also die gesamte Frühgeburt in eine winzig kleine Holzbox, welche ich zuvor gekauft und mit einem Tagpfauenauge bemalt hatte und gemeinsam mit meinem Mann verabschiedete ich mich von unserem Sternchen und begrub es im Garten. Dieser Abschied hatte für uns etwas sehr heilsames und ich bin froh, diesen Weg genauso gegangen zu sein. Ich kann jeder Schwangeren nur ans Herz legen, sich so früh wie möglich an eine Hebamme (wie Saskia) zu wenden.
Eine solche Begleitung, egal wie eine Schwangerschaft endet, ist so unendlich wertvoll! Nochmals von Herzen Danke an dich liebe Saskia!
