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Persönlicher Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht meiner friedlichen kleinen Geburt

Eine Mutter erzählt von ihrer kleinen Geburt, dem bewussten Abschied und dem Vertrauen in den eigenen Körper.

Originaltext der Eltern

Ich war in der zehnten Woche schwanger, als plötzlich Zwischenblutungen auftraten. Ich kannte das schon von meiner vorherigen Schwangerschaft, in der ich ein retroplazentares Hämatom hatte. Mein erster Gedanke war: Oh nein, nicht schon wieder. Und doch blieb ich im Vertrauen, dass alles gut sein würde.

Wie schon zuvor wollte ich auch diesmal, dass alles so natürlich wie möglich verläuft. In meiner letzten Schwangerschaft hatte mich Saskia begleitet, und ich war nur dann beim Arzt, wenn ich wirklich das Bedürfnis dazu hatte. Es war meine fünfte Schwangerschaft. Auch wenn dieses Kind nicht geplant war, hatten wir uns nach und nach darauf eingestellt, eingelassen – und uns schon ein wenig darauf gefreut.

Ich war voller Vertrauen. Als die Blutungen begannen, dachte ich zunächst, ich könne ja einfach einen Kontrolltermin vereinbaren. Ich rief in der Praxis an und bekam einen Termin für eine Woche später. Ich dachte: Vielleicht ergibt sich bis dahin alles von selbst.

Doch am nächsten Tag wurden die Blutungen stärker. Ich rief erneut an und fragte, ob ich vielleicht doch schon heute kommen könne. An diesem Tag war ich innerlich schon ganz niedergestimmt. Ich kümmerte mich noch um die Kinder, brachte sie in die Bücherei – damit ich in Ruhe zum Arzt gehen konnte.

Im Wartezimmer versuchte ich, mich abzulenken, aber ich hatte schon so eine leise Vorahnung. Ich begann, Erfahrungsberichte über Sternenkinder und kleine Geburten zu lesen, und merkte, dass mich das irgendwie auch beruhigte – zu lesen, dass ich nicht die einzige Frau bin, die diese Erfahrung macht.

Als ich schließlich aufgerufen wurde, nahm sich der Arzt freundlich Zeit für eine kurze Anamnese. Ich fühlte mich ernst genommen. Als ich erwähnte, dass ich bereits vier Hausgeburten hatte, meinte er nur, das sei sehr mutig – und blieb ansonsten neutral und respektvoll.

Bei der Untersuchung stellte er fest, dass ich bereits stark blutete. Beim Ultraschall sah man, dass die Schleimhaut gut aufgebaut war, der Muttermund noch geschlossen, die Fruchthöhle intakt. Das kleine Embryo war deutlich zu erkennen – Kopf, Rumpf, zwei Arme, zwei Beine, winzige Fingerchen. Doch das Herz schlug nicht mehr.

Für mich war das ein Schock, auch wenn ich es innerlich schon geahnt hatte. Gleichzeitig war ich dankbar für die Klarheit. Der Arzt sagte, wir könnten zunächst abwarten – die Blutung hatte ja bereits begonnen, vielleicht würde alles von selbst seinen Weg finden. Ich fand es gut, dass er mir diese Entscheidung überließ.

Mir war sofort klar, dass ich auf keinen Fall eine Ausschabung wollte. Ich hatte schon viele Erfahrungen und Berichte gehört, dass dabei die Gebärmutter verletzt werden und Narben entstehen können. Diesen Eingriff wollte ich vermeiden – ich wollte meinem Körper zutrauen, dass er diesen Prozess selbst vollbringen kann.

Außerdem war für mich klar, dass ich diesen Geburtsprozess – auch wenn es nur eine kleine Geburt ist – brauche, um Abschied zu nehmen und das Geschehen auch psychisch verarbeiten zu können. Ich spürte, dass mein Körper diese Erfahrung braucht, um wirklich zu verstehen, dass diese Schwangerschaft nun vorbei ist. Ich wollte auf keinen Fall diesen Schock, dass der Körper plötzlich, von einem Moment auf den anderen, von der Schwangerschaft „befreit“ wird.

Ich empfinde es als nicht natürlich und nicht gesundheitsförderlich, wenn Frauen vorschnell zu einer Ausschabung geraten wird. Natürlich gibt es Situationen, in denen medizinisch eingegriffen werden muss – etwa bei einer Infektion oder wenn andere Risiken bestehen. Aber in der Regel ist es für den Körper und die Seele einer Frau heilsamer, wenn sie diesen Prozess in ihrem eigenen Tempo, in ihrem eigenen Raum, durchleben darf.

Nachdem ich beim Arzt gewesen war und diese erschütternde Erkenntnis hatte – dass das Kind tot ist – ging ich nach Hause. Der Arzt hatte außerdem festgestellt, dass der Entwicklungsstand nicht der zehnten Schwangerschaftswoche entsprach, sondern eher der siebten oder achten.

Das kleine Wesen war also deutlich kleiner, und ich ging davon aus, dass es schon einige Tage zuvor gestorben war.

Diese Erkenntnis war natürlich zutiefst traurig und gleichzeitig war ich froh, dass ich es nicht früher schon wusste. So bin ich erst durch die körperlichen Symptome zur medizinischen Abklärung gegangen und habe mir dadurch viel Ungewissheit und Warterei erspart.

Ich wusste nun: Dieses Kind lebt nicht mehr. Zu Hause haben wir eine Kerze angezündet. Wir haben sehr offen mit den Kindern darüber gesprochen. Natürlich waren wir alle traurig – auch die Kinder, die sich schon auf ein Geschwisterchen gefreut hatten. Aber es war mir wichtig, sie einzubeziehen und ihnen zu erklären, dass es viele Gründe geben kann, warum ein kleines Leben sich nicht weiterentwickeln kann. Und dass es wahrscheinlich gut war, dass es sich so früh verabschiedet hat. Die Natur hat das weise eingerichtet.

Trotzdem bleibt da dieser Schmerz, diese Trauer – und der Abschied von all den kleinen Visionen und Bildern, die man vielleicht schon im Herzen getragen hat. All das loszulassen ist traurig, und das darf es auch sein.

Wir haben gemeinsam eine kleine Box gebastelt, und jedes Kind durfte einen Fingerabdruck darauf machen. Ich wollte unbedingt versuchen, das kleine Embryo aufzufangen, um mich bewusst verabschieden zu können. Dafür stellte ich mir eine Schüssel bereit. Mein Partner kümmerte sich in dieser Zeit sehr liebevoll um mich. Er bereitete mir einen wehenfördernden Tee aus Himbeerblättern und Schafgarbe zu. Ich machte es mir schön und geborgen, hörte leise, angenehme Musik, wickelte mich in eine warme Decke und schlief viel.

Am nächsten Tag gingen die Kinder in die Schule. Ich funktionierte irgendwie noch, erledigte Kleinigkeiten und fuhr mittags noch kurz weg. Schon da spürte ich immer wieder Kontraktionen – und war voller Hoffnung, dass die Geburt bald losgehen würde.

Als ich später wieder zu Hause war und Ruhe fand, merkte ich, dass die Kontraktionen stärker wurden. Ich hatte es mir wieder gemütlich eingerichtet und folgte ganz meinem Körper. Intuitiv hockte ich mich über die vorbereitete Schüssel – und gebar das kleine, kleine Wesen. In einer intakten Fruchthöhle kam es zur Welt.

Ich stellte die Schüssel zunächst ins kühle Bad und ließ sie dort stehen. Dann kam eine weitere Kontraktion, begleitet von einem stärkeren Blutabgang. Ich wechselte zwischen Ruhe und Bewegung – lag zwischendurch im Bett, las viel, vor allem Erfahrungsberichte anderer Frauen, die mir in dieser Zeit sehr geholfen haben. Immer wieder weinte ich ein wenig, trank viel, aß, worauf ich Lust hatte, und sprach meinem Körper gut zu. Ich war in liebevollem Kontakt mit meiner Gebärmutter und spürte, dass sie ihre Arbeit wunderbar machte.

Am Abend fühlte ich mich bereit, die Fruchtblase zu öffnen. Es war ein seltsames, fast befremdliches Gefühl, in diese Hülle hineinzustechen – und doch fühlte es sich richtig an. Mit einer spitzen Pinzette zog ich die Häute vorsichtig auseinander, bis sie sich öffneten. Fruchtwasser floss heraus – und mit ihm kam das kleine Menschlein zum Vorschein.

Da lag es nun – dieses winzige Wesen. Noch sehr klein, etwa zwei Zentimeter groß. Die Augen waren noch nicht von Lidern bedeckt, aber man sah schon die kleinen Arme mit winzigen Fingerchen, die Beinchen, an den Seiten die Ohren und die zarten Andeutungen von Mund und Nase. Ich betrachtete es ganz genau und verabschiedete mich von ihm.

Als ich spürte, dass der Moment gekommen war, es loszulassen, wickelte ich es in ein kleines Tuch und legte es in unsere vorbereitete Box. Wir planen, dieses Kästchen im Garten zu vergraben und einen Apfelbaum darüber zu pflanzen – neben dem Geburtsbaum unseres älteren Sohnes.

Danach fühlte ich mich friedlich. Ich hatte das Gefühl, befreit zu sein. Mit der Geburt der kleinen Fruchtblase und der Plazenta verschwanden plötzlich auch die Schwangerschaftssymptome. Ich fühlte mich wach, klar und voller Energie. Natürlich waren da noch Blutungen, und sie würden wohl noch eine Weile anhalten – aber ich spürte tief in mir: Es ist gut so.

Ich war stolz darauf, dass ich diesen Weg gegangen bin, dass mein Körper das so gut gemeistert hat. Ich fühlte mich verbunden – mit meinem Körper, mit meiner Familie, mit meinem Partner – und war dankbar. Dankbar für alles, was ist, und für das Leben selbst.

Ich weiß, dass wir immer wieder an unser kleines Sternenkind denken werden. Dass wir immer wieder die Kerze anzünden werden – und uns hoffentlich eines Tages an den Äpfeln erfreuen, die auf seinem Platz wachsen.

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