Die Geschichte von Mila
Seit mir klar war, dass ich Vater werden möchte, habe ich mich viel mit dem Thema Geburt beschäftigt. Je tiefer ich eingestiegen bin, desto seltsamer kam es mir vor, wie selbstverständlich heute fast alle Kinder im Krankenhaus zur Welt kommen. Für mich hat es sich nie stimmig angefühlt, dass das als normal gilt und die Hausgeburt die kleine Ausnahme ist. Aus meiner Sicht ist das Krankenhaus für medizinische Notfälle da, und eine gesunde Geburt gehört dorthin, wo man sich sicher und geborgen fühlt. Deshalb war für uns klar, dass unser Kind zuhause in einer entspannten Umgebung ankommen soll.
Ganz allein wollten wir bei unserer ersten Geburt aber nicht sein. Also haben wir lange nach einer passenden Hebamme gesucht. Nach einer ganzen Weile wurde uns Saskia empfohlen, und schon bei den ersten Terminen haben wir uns bei ihr sicher und wohlgefühlt. Sie hat uns sehr herzlich betreut und perfekt auf die Hausgeburt vorbereitet. Mit ihrer warmen, vertrauten Art hat sie uns eine klare Sicherheit gegeben, ohne Angst oder Panik zu machen, und uns trotzdem ehrlich und realistisch aufgeklärt.
Die Achterbahn davor
Eigentlich weiß ich, dass die Natur weiß, was sie tut. Eine Geburt ist das Normalste der Welt, und der Körper weiß in dem Moment instinktiv, was zu tun ist. Trotzdem waren die Tage davor für mich eine Achterbahn der Gefühle. Da ist dieser ausgerechnete Termin, der plötzlich ein „zu früh“ und ein „zu spät“ erzeugt und damit Stress macht, obwohl Körper und Kind selbst wissen, wann die richtige Zeit ist. Und man startet in etwas, bei dem man nicht weiß, was auf einen zukommt.
Als Mann habe ich mich während der Schwangerschaft immer wieder etwas verloren gefühlt. Viel machen konnte ich nicht, außer Jana zu unterstützen, wo es geht. Auch mit Blick auf die Geburt hat mich die Frage beschäftigt, was eigentlich meine Aufgabe ist. Was kann ich tun? Eine Antwort darauf gibt es nicht, kein Konzept für so einen individuellen Prozess. Alles, was ich tun kann, ist da zu sein. Präsent sein und spüren, was ihr in jedem Moment gut tut.
Der Tag, an dem es losging
Der Samstag, an dem die Wehen anfingen, war ein schöner Spätsommertag. Die Sonne schien und wir haben es uns gemütlich gemacht. Ein langsamer Spaziergang in der Sonne, zusammen essen, auf dem Sofa kuscheln, eine Serie schauen, reden. Einfach schauen, was kommt, und was der Körper macht und braucht.
Die Vorfreude wurde immer größer. Endlich lerne ich dieses kleine Wesen kennen! Gleichzeitig wurde ich unruhig. Wann geht es richtig los? Wann bringe ich unseren Hund zu Oma und Opa? Kann ich den Raum halten und für sie da sein? Mache ich alles richtig, und geht das überhaupt? Geht vielleicht etwas schief? Ist unsere Entscheidung die richtige?
Gegen Abend wurden die Wehen stärker und kamen regelmäßiger. Ich habe die Wohnung vorbereitet, einen guten Duft, Kerzen, eine Matratze im Wohnzimmer. Jetzt geht es los, unser erstes Mal. Was wird wohl auf uns zukommen?
Welle für Welle
Was ich dann erleben durfte, hat alle meine Erwartungen gesprengt. Ich habe gesehen, wie meine Freundin zur Löwin wurde und wie unsere Tochter alles gegeben hat, um zu uns auf diese Welt zu kommen. Die Gedanken waren wie ausgeschaltet. Es setzte ein richtiger Flow ein, und wir sind gemeinsam Welle für Welle durch die Wehen gegangen. Ich habe Demut gespürt, Stolz und großen Respekt vor dem, was da gerade passiert. Wie genial die Natur funktioniert und was dieser menschliche Körper leisten kann, ist absolut unglaublich.
Irgendwann konnte Jana nichts mehr bei sich behalten, selbst Wasser kam wieder raus, und dazu kam immer wieder etwas Blut. Da haben wir Saskia gerufen. Von dem Moment an, als sie bei uns war, hat sie eine Ruhe und Selbstverständlichkeit mitgebracht, die uns sofort gutgetan hat. Sie blieb im Hintergrund, hat uns machen lassen und war immer genau dann zur Stelle, wenn wir sie gebraucht haben. Mir hat sie viele gute Impulse gegeben, wie ich Jana unterstützen kann. So haben wir Mila gemeinsam zur Welt gebracht, um 1:28 Uhr in der Nacht war sie da.
Zu erleben, wie Jana weit über ihre Grenzen hinausgegangen ist, das erste Mal den Haarflaum und dann das Köpfchen zu sehen, Mila in Empfang zu nehmen und danach zu dritt zu kuscheln, das lässt sich nicht beschreiben. Da war nur tiefe Liebe und Freude. Seitdem weine ich regelmäßig vor Freude und bin ziemlich nah am Wasser gebaut. Diese Geburt hat mein Herz auf eine Weise geöffnet, die ich nicht für möglich gehalten hätte, und keine Worte werden das je ganz beschreiben können.
Unsere kleine Höhle
Während der Geburt und auch jetzt danach sind wir so viel wie möglich nackt und in Hautkontakt miteinander. Wir haben unsere Höhle, in der wir uns wohlfühlen und alles so gestalten können, wie wir es wollen. Die Geburt ist jetzt vier Tage her, und ich bin so dankbar, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben. Dieses Wunder in vertrauter Umgebung und mit Saskia an unserer Seite erleben zu dürfen, bedeutet mir unendlich viel. Für mich gibt es keinen Grund, es nicht wieder genau so zu machen, wenn die Möglichkeit besteht.
Ich wünsche mir von Herzen, dass sich mehr Menschen auf diese Erfahrung einlassen und die Geburt wieder zu dem heiligen und wundervollen Erlebnis wird, das sie eigentlich ist.
Danke, Saskia
Von Herzen danke für deine Arbeit und für deine souveräne, herzliche und vertraute Art. Danke, dass es Menschen wie dich gibt und dass du all das möglich machst. Demut, Liebe und Freude haben für mich eine ganz neue Tiefe bekommen.
Andreas






