„Wunderschöne erste Geburt“


Schon lange vor der Schwangerschaft war für mich klar, dass ich mir irgendwann eine Hausgeburt wünsche. Ich selbst kam ebenfalls zuhause auf die Welt und habe von meiner Mutter eine Vorstellung davon bekommen, wie wunderschön eine Hausgeburt sein kann. Und wir hatten das Glück dieselbe Erfahrung machen zu dürfen. 😊
Die letzten Tage vor der Geburt haben wir alle gespannt gewartet, wann es endlich losgeht. Unser kleiner Benjamin hat sich noch ziemlich Zeit gelassen, bis er sich auf den Weg machen wollte. Da es unsere erste Geburt war und wir noch keinerlei Erfahrung hatten, waren wir durch die „Verspätung“ unseres Sohnes und die Prognosen unserer Frauenärztin irgendwann sogar ziemlich verunsichert. Die Ärztin hatte uns auch schon die Überweisung in die Klinik für eine künstliche Einleitung ausgestellt (welche wir allerdings nach einem kurzen Anruf in der Klinik beiseitegelegt haben, da die Klinik keine ambulanten Einleitungen durchführt und wir unserem kleinen Jungen noch etwas Zeit geben wollten). Im Nachhinein bin ich auch sehr froh, dass Saskia uns in dieser Situation zu etwas Geduld geraten hat und uns zur Seite stand. Neun Tage nach dem ET war es dann endlich so weit.

Als ich mich kurz nach 3 Uhr hinsetzen wollte, spürte ich, wie meine Fruchtblase geplatzt ist. Es fühlte sich in etwa so an, wie wenn eine Wasserbombe in mir explodiert wäre. Ich bin dann schnell aufs Klo gesprungen, wo ich auch einiges an Flüssigkeit verlor. Dort wurde mir dann auch bewusst, was gerade passiert ist und ich lief ins Schlafzimmer um meinen Mann zu wecken. Er ist dann aufgestanden und wir haben uns überlegt, was wir als nächstes tun sollten. Während der Schwangerschaft habe ich weder Übungs- noch Senkwehen wahrgenommen und wusste deshalb auch nicht wirklich, wie sich Wehen anfühlen müssen. In dem Moment habe ich jedenfalls nichts gespürt und wir haben uns noch eine Weile beschäftigt, bis wir uns dazu entschieden haben nochmal ins Bett zu gehen und abzuwarten. Vorher haben wir eine kurze SMS an Saskia geschrieben, damit sie schonmal Bescheid weiß. Nach ca. 45 Minuten habe ich dann die ersten Wehen gespürt. Da diese aber nicht sehr intensiv waren, habe ich versucht noch etwas weiterzuschlafen, um Kraft für das bevorstehende Ereignis zu tanken. Das ist mir auch mehr oder weniger gelungen, bis ich es gegen 5 Uhr dann nicht mehr im Liegen aushalten konnte. Ich wollte mich bewegen und bin daher aufgestanden um einige Runden im Wohnzimmer umherzulaufen.

So konnte ich die ersten Wehen gut ertragen. Mein Mann ist mit mir aufgestanden und hat in der Zeit alles vorbereitet. Er hat die Kiste mit den Utensilien geholt, unser Bett entsprechend überzogen, die Dokumente hergerichtet und unseren Hund bei meinen Eltern untergebracht. Gegen viertel nach 6 wurden die Wehen immer stärker und die Abstände immer kürzer, sodass wir entschieden Saskia jetzt anzurufen. Nach einem kurzen Lagebericht machte sie sich sofort auf den Weg. Unterwegs hat sie noch Praktikantin Tabea eingesammelt und ca. 1 Stunde später sind die beiden bei uns eingetroffen. In der Zwischenzeit musste ich mich ein paar Mal Übergeben, auch die Wehen haben an Intensität weiter zugenommen. Wir waren sehr froh endlich Saskia zu sehen. Vor allem mein Mann fühlte sich immer hilfloser, wenn er mich sah und konnte schwer abschätzen, ob noch alles normal verlief. Saskia kam mit Tabea (werdende Hebamme) herein. Nachdem Sie uns begrüßt hatten verschaffte sich Saskia erstmal einen Überblick. Sie hat meinen Puls gemessen, den Wehenabstand auf 3 Minuten bestimmt und die Herztöne von unserem Sohn abgehört. Anschließend hat sie uns ein paar Fragen zur Farbe des Fruchtwassers und zum bisherigen Verlauf gestellt. Wenn ich währenddessen eine Wehe hatte hat sie mich gelobt, dass ich das gut mache und Ruhe ausgestrahlt. Das hat mich in der Situation sehr bestärkt, so wusste ich, dass ich alles richtig mache. Anscheinend war ich schon recht gut vorangekommen und hatte auch bald das Gefühl mitschieben zu müssen. Deshalb bat Saskia mich nochmal auf die Toilette zu gehen. Bevor ich mich allerdings aufs Klo setzen konnte, musste ich mich erneut übergeben. Ich konnte kaum Luft holen, da kam schon die nächste Wehe, die noch intensiver war als die bisherigen und ich hatte einen starken Pressdrang. Da ich entschied im Badezimmer zu bleiben holte mir mein Mann eine Isomatte, auf die ich knien konnte. Ich lehnte mich über die Badewanne und verweilte so einige Wehen. Währenddessen kam die 2.

Hebamme Silke (Saskia hatte sie kurz nach ihrem Eintreffen informiert). Die beiden berieten sich kurz und führten eine Vaginaluntersuchung bei mir durch. Dort haben sie festgestellt, dass der Muttermund erst 9 cm offen und geschwollen war. Die Presswehen dauerten mittlerweile ½ Stunde an und ich sollte diese jetzt wieder veratmen anstatt mitzuschieben um dem Muttermund noch etwas Zeit zu geben. Weil mir das im Bad sehr schwerfiel, riet mir Saskia wieder ins Wohnzimmer zu wechseln. Das war eine sehr gute Idee, denn ich legte mich aufs Sofa und die Wehen wurden schnell wieder weniger intensiv und ich hatte keinen Pressdrang mehr. Ich merkte richtig, wie mir mein Körper wieder etwas Zeit zum Kraft tanken einräumte (Die Pressphase davor hat mich viel Energie gekostet). In den Wehenpausen bin ich eingeschlafen. Saskia und Silke haben mir in dieser Phase viel Zeit gegeben, das hat mir so gutgetan. Als mir kalt wurde hat mir Silke ein vorher im Backofen aufgewärmtes Handtuch gebracht und mein Mann hat mir eine Wärmflasche geholt. Ich fühlte mich sehr gut umsorgt und konnte mich in den Wehenpausen komplett entspannen. Saskia gab mir ein Mittel, damit sich mein Muttermund etwas entspannt, da sich auch nach ca. 1 Stunde keine Veränderung zeigte und die Schwellung immer noch anhielt. Silke und Saskia berieten sich kurz, wie sie gegen die Schwellung vorgehen können. Da sie die Vermutung hatten, dass das Köpfchen von unserem Benjamin zu stark auf den Muttermund drückt und die Schwellung daher kommt, haben sie mir geraten in den Vierfüßer zu gehen und mich vorne auf den Ellbogen abzustützen. Saskia hat dann durch „Äpfel schütteln“ versucht das Köpfchen etwas zurück zu bewegen. In einer Wehenpause setzte mir Silke eine Akkupunkturnadel zur Entspannung des Muttermundes. Bei der nächsten Wehe hat Saskia dann ein Tuch um mein Becken gelegt, mit dem sie ebenfalls an mir gerüttelt hat und mich anschließend gefragt, was angenehmer für mich sei. Ich entschied mich für die erste Variante. Nachdem wir diese nochmals angewendet haben, spürte ich, wie die Wehen wieder stärker wurden. Saskia untersuchte nochmal meinen Muttermund und konnte feststellen, dass sich dieser nun komplett geöffnet hatte. Welch eine Freude! Die Presswehen setzten erneut ein und Saskia und Silke feuerten mich regelrecht an, dass ich kräftig mitschieben sollte. Das gab mir so viel Energie und ich konnte spüren, wie das Köpfchen immer weiter nach unten wandert. Kurze Zeit später hörte ich, dass das Köpfchen zu sehen war und ich durfte es anfassen. Dieser Moment war so unbeschreiblich, ich wollte nur noch mein Baby im Arm halten und vergaß alles um mich herum. Saskia riet mir noch einmal die Position in die tiefe Hocke zu wechseln.

Ich sollte mich mit meinen Ellbogen auf den Oberschenkeln von meinem Mann abstützen. Gesagt getan und eine Wehe später war das Köpfchen geboren. In der nächsten Wehe das ganze Bübchen. Ein unfassbares Gefühl. Saskia legte mir meinen Sohn in die Arme und ich war einfach nur glücklich. Ich schaute zu meinem Mann nach oben und sah wie stolz er uns anschaute. Saskia ließ uns den Puls der Nabelschnur fühlen und ich konnte meine Augen gar nicht von unserem Sohn abwenden. Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war durfte mein Mann diese durchschneiden. Anschließend sollte ich mich nochmal in die tiefe Hocke setzen, damit die Plazenta ebenfalls geboren werden konnte, was auch problemlos funktionierte. Saskia untersuchte die Plazenta und erklärte uns etwas darüber. Das war sehr interessant. Nachdem nun das Wichtigste erledigt war konnten wir unseren Moment genießen und Saskia, Silke und Tabea räumten um uns herum auf. Anschließend setzten sich die drei ins Esszimmer um Papierkram zu erledigen und wir beobachteten Benjamin dabei, wie er uns zu verstehen gab, dass er jetzt Hunger hatte. Somit legte ich ihn an meine Brust an und er saugte sofort darauf los, solange bis er dabei eingeschlafen ist. Saskia nahm ihn dann mit um ihn zu untersuchen und grob abzuwaschen, während ich mich mit leicht salzigem Wasser und einer Banane stärkte. Im Wohnzimmer untersuchte mich Saskia dann auf Geburtsverletzungen und stellte fest, dass ich leicht eingerissen war. Mit ein paar Nadelstichen konnte sie die Verletzung dann behandeln. Da ich kurz nach der Geburt eine Schmerztablette von Saskia bekommen hatte und während der Behandlung meinen Sohn im Arm bewundern konnte, bekam ich von den Stichen fast nichts mit. Tabea schaute Saskia aufmerksam über die Schulter. Silke hatte sich während der Untersuchung verabschiedet. Ich ging mich anschließend kurz abduschen. Tabea kam vorsichtshalber mit, um meinen Kreislauf zu überwachen. Kurze Zeit später war alles vorbei. Saskia und Tabea hatten ihre Sachen zusammengepackt und alles aufgeräumt (an die Geburt erinnerte nur noch ein Plastiksack). Mein Mann und ich lagen mit unserem Sohn auf dem Sofa, bekamen noch ein paar Instruktionen für die nächsten Tage und verabschiedeten die beiden gegen 15.30 Uhr.
Wir sind wirklich sehr dankbar für diese tolle Unterstützung bei der Geburt. Wir haben uns jederzeit sicher aufgehoben gefühlt und wünschen uns, dass wir die Geburt unseres nächsten Kindes genauso erleben dürfen.